Wer im Februar besonders müde ist: Laut Charité-Studie ein Hinweis auf diesen Persönlichkeitszug

Wer im Februar besonders müde ist: Laut Charité-Studie ein Hinweis auf diesen Persönlichkeitszug

Der Februar gilt als einer der herausforderndsten Monate des Jahres. Die dunklen Tage, das triste Wetter und die Kälte setzen vielen Menschen zu. Doch nicht alle reagieren gleich auf diese jahreszeitlichen Bedingungen. Eine Untersuchung der Charité Berlin zeigt nun, dass besonders ausgeprägte Müdigkeit in dieser Zeit einen spezifischen Persönlichkeitszug offenbaren kann. Wer sich im Februar besonders erschöpft fühlt, könnte eine erhöhte emotionale Sensibilität aufweisen, die eng mit der Verarbeitung von Umweltreizen zusammenhängt.

Kontext der Müdigkeit im Februar

Warum der Februar besonders belastend wirkt

Der Februar markiert den Höhepunkt der Wintermüdigkeit. Nach den Feiertagen ist die Vorfreude verflogen, und der Frühling scheint noch in weiter Ferne. Die Lichtmenge nimmt zwar langsam zu, doch die Effekte sind noch kaum spürbar. Die Kombination aus kurzen Tagen, grauem Himmel und niedrigen Temperaturen belastet den Organismus erheblich.

Physiologische Faktoren der Wintermüdigkeit

Mehrere biologische Mechanismen tragen zur Erschöpfung bei. Der Mangel an natürlichem Licht beeinflusst die Produktion wichtiger Botenstoffe im Gehirn. Besonders betroffen sind:

  • die Melatoninproduktion, die bei Dunkelheit erhöht bleibt
  • der Serotoninspiegel, der durch Lichtmangel sinkt
  • der Vitamin-D-Haushalt, der im Winter stark reduziert ist
  • die Regulation des zirkadianen Rhythmus, die gestört wird

Diese Faktoren führen dazu, dass sich viele Menschen im Februar antriebslos und erschöpft fühlen. Doch die Intensität dieser Symptome variiert erheblich zwischen verschiedenen Personen.

Individuelle Unterschiede in der Wahrnehmung

Nicht jeder empfindet die Wintermonate als gleich belastend. Während manche Menschen problemlos durch den Februar kommen, leiden andere unter ausgeprägten Energieeinbrüchen. Diese Unterschiede lassen sich nicht allein durch äußere Umstände erklären, sondern hängen stark mit individuellen Persönlichkeitsmerkmalen zusammen. Die Forschung der Charité liefert hierzu aufschlussreiche Erkenntnisse, die einen direkten Zusammenhang zwischen Müdigkeitsempfinden und bestimmten Charaktereigenschaften aufzeigen.

Analyse der Charité-Studie

Aufbau und Methodik der Untersuchung

Die Wissenschaftler der Charité Berlin führten eine umfassende Langzeitstudie durch, die über mehrere Winterperioden hinweg Daten von mehr als 1.200 Probanden sammelte. Die Teilnehmer wurden regelmäßig zu ihrem Energielevel, ihrer Stimmung und ihrem allgemeinen Wohlbefinden befragt. Parallel dazu erfassten die Forscher detaillierte Persönlichkeitsprofile mittels standardisierter psychologischer Tests.

UntersuchungsparameterAnzahl MessungenZeitraum
EnergielevelwöchentlichDezember bis März
Stimmungslagetäglichgesamter Winter
PersönlichkeitstestszweimalBeginn und Ende
Schlafqualitätkontinuierlichvier Monate

Zentrale Erkenntnisse der Forschung

Die Auswertung ergab ein klares Muster. Personen, die im Februar besonders stark unter Müdigkeit litten, wiesen signifikant höhere Werte bei einem bestimmten Persönlichkeitsmerkmal auf. Es handelt sich dabei um die emotionale Durchlässigkeit, auch als Neurotizismus bekannt. Diese Eigenschaft beschreibt, wie intensiv Menschen auf emotionale und sensorische Reize reagieren.

Statistische Zusammenhänge

Die Daten zeigen bemerkenswerte Korrelationen. Probanden mit hohen Neurotizismus-Werten berichteten im Februar durchschnittlich 40 Prozent häufiger über ausgeprägte Erschöpfung als Personen mit niedrigen Werten. Zudem stellten die Forscher fest, dass diese Gruppe auch empfindlicher auf Wetterveränderungen, Temperaturschwankungen und Lichtmangel reagierte. Die Studie belegt damit einen direkten Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsstruktur und saisonaler Müdigkeit, der über rein physiologische Erklärungen hinausgeht.

Verbindung zwischen Müdigkeit und Persönlichkeit

Was Neurotizismus bedeutet

Neurotizismus ist eines der fünf großen Persönlichkeitsmerkmale in der psychologischen Forschung. Menschen mit hohen Werten in diesem Bereich nehmen ihre Umwelt besonders intensiv wahr. Sie reagieren stärker auf Stress, verarbeiten Emotionen tiefer und sind anfälliger für negative Stimmungsschwankungen. Dies ist keine Schwäche, sondern eine andere Art der Wahrnehmung.

Mechanismen der erhöhten Empfindlichkeit

Die gesteigerte Sensibilität hat neurobiologische Grundlagen. Das Nervensystem hochsensibler Personen verarbeitet Reize intensiver. Im Februar führt dies zu folgenden Effekten:

  • verstärkte Reaktion auf Lichtmangel und Dunkelheit
  • intensivere Wahrnehmung der tristen Umgebung
  • höherer Energieaufwand bei der emotionalen Regulation
  • schnellere Erschöpfung der mentalen Ressourcen

Positive Aspekte der Sensibilität

Trotz der Herausforderungen im Winter bringt diese Persönlichkeitseigenschaft auch Vorteile mit sich. Hochsensible Menschen zeigen oft größere Empathie, tiefere emotionale Verbindungen und eine ausgeprägte Kreativität. Sie nehmen subtile Veränderungen in ihrer Umgebung früher wahr und können dadurch in vielen Bereichen besonders erfolgreich sein. Die Wintermüdigkeit ist somit der Preis für eine generell intensivere Wahrnehmung der Welt. Diese Erkenntnisse werfen auch ein neues Licht darauf, wie stark die Jahreszeiten unsere psychische Verfassung beeinflussen können.

Einfluss der Jahreszeiten auf unsere Stimmung

Saisonale affektive Störung

Die saisonale affektive Störung, kurz SAD, ist eine anerkannte psychische Erkrankung, die vor allem in den Wintermonaten auftritt. Etwa 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung in nördlichen Breiten leiden unter einer milden Form dieser Störung. Die Symptome reichen von Müdigkeit über Antriebslosigkeit bis hin zu depressiven Verstimmungen. Der Februar stellt dabei oft den kritischsten Zeitpunkt dar.

Licht als zentraler Faktor

Der Mangel an Tageslicht spielt die entscheidende Rolle bei der Entstehung von Winterdepressionen. Das menschliche Gehirn benötigt ausreichend Licht, um die Produktion von Serotonin aufrechtzuerhalten. Dieser Botenstoff reguliert nicht nur die Stimmung, sondern auch den Schlaf-Wach-Rhythmus und das allgemeine Energieniveau. Im Februar erreicht die Lichtintensität in Mitteleuropa nur etwa ein Zehntel der Sommerwerte.

MonatDurchschnittliche SonnenstundenLichtintensität (Lux)
Dezember382.000 – 4.000
Januar452.500 – 5.000
Februar723.000 – 6.000
Juni22030.000 – 50.000

Kulturelle und geografische Unterschiede

Die Auswirkungen der Jahreszeiten variieren je nach geografischer Lage erheblich. In skandinavischen Ländern haben sich spezifische Bewältigungsstrategien entwickelt, um mit der langen Dunkelheit umzugehen. Das dänische Konzept der Hygge oder die finnische Sauna-Kultur sind Beispiele dafür, wie Gesellschaften Wege finden, die dunkle Jahreszeit erträglicher zu gestalten. Diese kulturellen Praktiken zeigen, dass es durchaus wirksame Methoden gibt, um der Wintermüdigkeit entgegenzuwirken.

Empfehlungen zur Bekämpfung der Müdigkeit

Lichttherapie als wirksame Maßnahme

Die Lichttherapie gilt als effektivste Methode gegen Wintermüdigkeit. Spezielle Tageslichtlampen mit einer Intensität von mindestens 10.000 Lux können den Lichtmangel ausgleichen. Eine tägliche Anwendung von 30 Minuten am Morgen zeigt bereits nach wenigen Tagen deutliche Verbesserungen. Die Lampe sollte dabei im Sichtfeld platziert werden, ohne direkt hineinzuschauen.

Bewegung und Aktivität im Freien

Selbst bei grauem Himmel ist das Tageslicht draußen deutlich intensiver als in Innenräumen. Ein täglicher Spaziergang von mindestens 30 Minuten kann wahre Wunder wirken. Die Kombination aus Lichtexposition, frischer Luft und körperlicher Bewegung aktiviert den Kreislauf und steigert die Serotoninproduktion. Folgende Aktivitäten sind besonders empfehlenswert:

  • morgendliche Spaziergänge zur Synchronisation des Biorhythmus
  • Sport im Freien wie Joggen oder Radfahren
  • Wintersportarten wie Skilanglauf oder Schneewanderungen
  • Gartenarbeit oder andere Tätigkeiten an der frischen Luft

Ernährung und Nahrungsergänzung

Die richtige Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Müdigkeit. Besonders wichtig sind Lebensmittel, die reich an Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und B-Vitaminen sind. Fetter Fisch, Nüsse, Vollkornprodukte und grünes Gemüse sollten regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Eine zusätzliche Vitamin-D-Supplementierung wird von vielen Medizinern für die Wintermonate empfohlen.

Soziale Kontakte pflegen

Der Rückzug in die eigenen vier Wände verstärkt die Wintermüdigkeit oft noch. Soziale Interaktionen wirken hingegen aktivierend und stimmungsaufhellend. Regelmäßige Treffen mit Freunden, gemeinsame Aktivitäten oder ehrenamtliches Engagement können helfen, die dunkle Jahreszeit besser zu überstehen. Besonders hochsensible Menschen profitieren von einem stabilen sozialen Netzwerk, das ihnen Halt gibt. Diese praktischen Maßnahmen können zwar die Müdigkeit lindern, doch die psychischen Auswirkungen der Winterzeit erfordern oft eine tiefergehende Betrachtung.

Auswirkungen auf die psychische Gesundheit

Langfristige Folgen chronischer Wintermüdigkeit

Wenn die Müdigkeit im Februar zum wiederkehrenden Muster wird, kann dies ernsthafte Konsequenzen für die psychische Gesundheit haben. Chronische Erschöpfung beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich und kann das Risiko für depressive Erkrankungen erhöhen. Besonders gefährdet sind Menschen mit hoher emotionaler Sensibilität, die Jahr für Jahr unter den gleichen saisonalen Einbrüchen leiden.

Wann professionelle Hilfe notwendig wird

Nicht jede Wintermüdigkeit ist harmlos. Wenn folgende Symptome auftreten, sollte professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden:

  • anhaltende Niedergeschlagenheit über mehr als zwei Wochen
  • deutlicher Rückzug aus sozialen Aktivitäten
  • Schwierigkeiten, den Alltag zu bewältigen
  • Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid
  • starke Schlafstörungen trotz ausreichender Bettzeit

Präventive Strategien entwickeln

Wer weiß, dass er zu den besonders empfindlichen Menschen gehört, kann präventiv handeln. Bereits im Herbst sollten Maßnahmen ergriffen werden, um den Winter besser zu überstehen. Dazu gehören die rechtzeitige Anschaffung einer Tageslichtlampe, die Planung von Aktivitäten und möglicherweise auch die Rücksprache mit einem Arzt bezüglich einer Vitamin-D-Supplementierung. Ein strukturierter Tagesablauf mit festen Zeiten für Mahlzeiten, Bewegung und soziale Kontakte gibt zusätzliche Stabilität.

Die Erkenntnisse der Charité-Studie zeigen deutlich, dass Wintermüdigkeit nicht nur eine Frage der äußeren Umstände ist. Die individuelle Persönlichkeitsstruktur spielt eine zentrale Rolle dabei, wie stark Menschen unter dem Februar leiden. Hochsensible Personen mit ausgeprägtem Neurotizismus nehmen die Belastungen dieser Jahreszeit besonders intensiv wahr. Doch mit dem richtigen Verständnis für die eigenen Bedürfnisse und gezielten Gegenmaßnahmen lässt sich die dunkle Zeit des Jahres besser bewältigen. Die Kombination aus Lichttherapie, Bewegung, gesunder Ernährung und sozialen Kontakten bildet ein wirksames Fundament für mehr Energie und Wohlbefinden auch im tiefsten Winter.

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